MGVchen beim Vorentscheid "Bester Chor im Westen"


Voller Inbrunst und mit einer eigenen Choreographie performten die Sänger des MGVchens Velmede beim Vorentscheid in Bochum.  © WDR/Melanie Grande


Velmede/Bochum. Da staunten die rund 700 Zuschauer im Bochumer Audimax nicht schlecht und auch die prominent besetzte Jury rund um Ex-Cascada-Frontfrau Natalie Horler traute ihren Ohren kaum: Die 18 Männer mittleren Alters, die da am vergangenen Samstag beim großen Vorentscheid des WDR-Wettbewerbs „Bester Chor im Westen“ in ihren hellblauen Poloshirts vor ihnen auf der Bühne standen, gaben als Eröffnungssong nicht etwa ein klassisches Chorlied zum Besten, sondern intonierten voller Inbrunst das Stück „Engel“ von der Hardrockband „Rammstein.“ Damit setzten die Sänger des MGVchen Velmede nicht nur gleich zu Beginn ein Ausrufezeichen, sondern legten auch den Grundstein für einen besonderen Auftritt, an dessen Ende weiterhin das Hoffen auf eine Wildcard fürs Halbfinale steht.

„Dieses Lied vermittelt ein Gänsehautgefühl, wenn es ausschließlich nur von Männern gesungen wird, da es eigentlich aus einem weiblichen Chorsatz abgeleitet wurde“, erklärt Christoph Hengsbach als Ansprechpartner des MGVchens gegenüber dem SauerlandKurier die doch eher ungewöhnliche Songauswahl. Ein Wagnis, das sich offensichtlich ausgezahlt hat – denn die Jury war begeistert von der selbsternannten „ältesten Boyband des Sauerlands“. Sängerin Natalie Horler, die Deutschland unter anderem 2013 beim ESC vertreten hat, fand den Auftritt „mutig und sehr unterhaltsam“. Auch Jane Comerford (Ex-Frontfrau von Texas Lightning) gefiel die Performance. 

Mit Rammstein und Farin Urlaub die Jury überzeugt

Ein großes Lob aus berufenem Mund für die Jungs um Chorleiter Detlef Müller, das gleich doppelt so hoch einzuschätzen ist, weil das MGVchen an diesem Tag der erste der insgesamt fünf qualifizierten Chöre war, der die große Bühne im Bochumer Audimax betreten musste/durfte. Von 80 Fans begeistert angefeuert „Als Nachteil haben wir es nicht empfunden, als erster und letzter Chor der Show aufzutreten. Die anderen Chöre mussten genauso vor Kameras, Jury und einem tosendem Publikum bestehen. Dabei spielt die Reihenfolge wohl keine große Rolle, wie auch schon die beiden anderen Vorentscheide in Hürth und Bielefeld bewiesen haben“, weiß Michael Hengsbach, Erster Vorsitzender des MGV Velmede, in dem die Sänger des MGVchen ebenfalls allesamt Mitglied sind. Er räumt allerdings ein, dass neben der „riesengroßen Vorfreude“ auf den Tag X auch „eine gewisse Anspannung“ selbstverständlich vorhanden gewesen sei. Schließlich habe man nicht alle Tage die Ehre, bei einem Chor-Wettbewerb des WDR-Fernsehens vor Live-Publikum aufzutreten. 

80 enthusiastische Fans aus der Heimat sorgen für lautstarke Unterstützung

    

Begeistert und lautstark wurde das MGVchen von den 80 Fans aus der Heimat unterstützt.

© WDR/Melanie Grande


Für die notwendige Unterstützung aus der Heimat sorgten zudem 80 enthusiastische Fans, die eigens mit zwei Bussen angereist waren und den Velmeder Sängern bei ihren Performances frenetisch zujubelten. „Wir danken unseren Fans, die uns mit Fähnchen, Bannern, Ratschen und ihren Stimmen laut anfeuerten. Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns ausdrücklich bei der Volksbank Sauerland eG und der Sparkasse Hochsauerland“, betont Michael Hengsbach. Während das Drumherum mit Fangesängen und Eingangsmusik für die Männer durchaus neu und „sehr beeindruckend“ war, gingen sie mit der Performance vor einer Jury überaus souverän um. „Durch mehrere Leistungssingen im ChorVerband NRW mit dem MGV Velmede kennen wir diese Situation schon. Der Unterschied hierzu ist die Prominenz der Jury, die direkt danach ihren Eindruck preisgibt“, erläutert Christoph Hengsbach. Überhaupt gingen die 18 Sänger, die im Vorfeld unter rund 200 Bewerbern als einer von 20 Chören für die insgesamt vier Vorentscheide ausgewählt wurden, mit der Situation erstaunlich entspannt um. Statt Druck überwog bereits vor dem großen Auftritt der Stolz auf das Erreichte. Hengsbach: „Allein die Tatsache, bei einem solchen Event als erster Chor aus dem Sauerland nominiert worden zu sein, ist schon eine riesengroße Ehre für uns.“ 

„Wir sind mit einem guten Gefühl ausgeschieden"

Zumal die Konkurrenz in Bochum wirklich namhaft war – und am Ende auch zu stark für eine direkte Qualifikation für das Halbfinale. Die Jury entschied sich schließlich für den Schulchor „Clara‘s Voices“ aus Holzwickede und den Kinder- und Jugendchor „Cantalino“ aus Wickede. Trotzdem ist beim MGVchen niemand enttäuscht über das Abschneiden. „Wir sind mit einem guten Gefühl ausgeschieden, da die anderen Chöre mit einem sehr hohen Niveau aufwarteten. Deshalb gratulieren wir ganz herzlich den beiden Chören zum Erreichen des Halbfinales und wünschen weiterhin viel Erfolg“, so Michael Hengsbach – wohlwissend, dass die Velmeder für den unterhaltsamsten Auftritt des Abends sorgten. Denn mit ihrem zweiten Lied, einer witzigen Interpretation des Songs „Am Strand“ von Ärzte-Sänger Farin Urlaub, sorgten die „Wilden Jungs“ für großes Gelächter bei Jury und Publikum. „Dieses Lied wurde von unserem Sänger Daniel Nübold arrangiert und extra noch einmal überarbeitet und unterscheidet sich chorisch von der bei Youtube eingestellten Version. Es ist ein lustiges, relativ unbekanntes Lied mit einer gehörigen Portion Schadenfreude“, erklärt Michael Hengsbach. Christoph Hengsbach ergänzt: „Wir haben uns für die beiden Songs entschieden, weil es moderne deutsche Lieder sind, die sich vom klassischem Männerchor-Repertoire abheben. Musikalisch ein bisschen dunkel, aber auch mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor.“

Zauberformel lautet „zwei aus zwölf“

Genau mit dieser Mischung trafen sie den Nerv der Jury, die stellenweise ordentlich gelacht hat. „Ich glaube euch jedes Wort und jeden Ton“, rief etwa Sängerin Jane Comerford begeistert. Vielleicht hilft diese Begeisterung dem MGVchen letztlich sogar dabei, doch noch ein Ticket für das Halbfinale zu lösen. Denn am Samstag, dem 14. Oktober, fährt eine Abordnung des vor 23 Jahren gegründeten MGVchen nach Duisburg zum finalen regionalen Vorentscheid. Nachdem auch dort die beiden letzten Halbfinalteilnehmer gekürt wurden, besteht für die bis dato nicht berücksichtigten Chöre noch die Möglichkeit, zwei Wildcards für das Semifinale zu gewinnen – und zwar ganz ohne eigenes Zutun. Denn die Jury bestimmt aus den bisherigen Performances die beiden weiteren Gewinner. „Zwei aus zwölf“ lautet somit die Zauberformel für die heitere Männerrunde aus dem Sauerland – deshalb heißt es  also kräftig Daumen drücken, damit auch die Jury die richtige Wahl beziehungsweise – um im Bild zu bleiben – den richtigen Ton trifft.


Den Vorentscheid aus Bochum zeigt der WDR am Freitag, 1. Dezember um 20.15 Uhr. Dazu plant das MGVchen ein Public-Viewing mit Freunden und Gönnern.


Bericht im Sauerlandkurier von Lars Lenneper vom 14. OKtober 2017


Im letzten Vorentscheid sind die zwei Wild-Cards an Phönix aus Dortmund

und den Gospelchor Unisono aus Solingen vergeben worden. Wir gratulieren herzlich. Somit ziehen wir leider nicht ins Halbfinale ein. Für uns war es ein tolles

Erlebnis, das so schnell nicht wiederkommt.