Unsere Vereinsgeschichte

 

Am Anfang des Jahres 1864 stellten einige Velmeder Bürger die ersten Überlegungen zur Gründung eines Männergesangvereins an, der dann am  

16. März 1864 ins Leben gerufen wurde.  

Er erhielt den Namen „Männergesangverein zu Velmede“. Der Verein hatte sich die Pflege des deutschen und zeitgemäßen Liedes, vor allem des Volksliedes, zum Ziel gesetzt.  

 

 

Die erste Vereinssatzung (Statuten) ist vom 26. Juli 1868 datiert und umfasst  

19 Paragraphen, von denen hier nur der § 1 teilweise wiedergegeben werden soll, in dem auch der in der damaligen Zeit allgemein gültige Grundsatz des sittlichen Handelns zum Ausdruck kommt:

„Allen singfähigen Männern respektive männlichen Personen, die das Alter von

14 Lebensjahren überschritten haben, steht der Beitritt frei, sofern dieselben von moralischem Wandel sind und das Statut des Vereins anerkennen.“

 

Neben dem monatlichen Beitrag von 2 ½ Silbergroschen wurden in dieser Satzung auch die Strafgelder für unentschuldigtes Fehlen geregelt.  

Außerdem sah sie aus gegebenem Anlass sogar den Ausschluss aus dem  

Verein vor, wie ein Protokolleintrag aus den 1950er Jahren zeigt.  

Sänger im Alter von etwa 20 Jahren hatten es vorgezogen, an einem Probeabend, der damals samstags stattfand, in Ostwig Karneval zu feiern. Sie wurden aus diesem Grunde aus dem Verein ausgeschlossen. Einige kehrten später reumütig zurück und wurden auch wiederaufgenommen.

Eine andere Eintragung aus dieser Zeit besagt, dass die Sänger, die nur einmal zum Singen erschienen waren, als „Eintagsfliegen“ bezeichnet wurden.

 

Erwähnenswert sind auch die Aufnahmebedingungen, die vom Dirigenten festgesetzt wurden. Er entschied vorab, ob ein Bewerber diese erfüllte.

Sodann entschieden die Vereinsmitglieder über die endgültige Aufnahme des Bewerbers in den Verein. In späteren Jahren erfolgte diese Entscheidung durch die sogenannte „Ballotage“, eine geheime Abstimmung durch die verdeckte Abgabe von weißen „Ja“- oder schwarzen „Nein“-Kugeln, oder –

wie es hierzulande üblich war–, von weißen oder schwarzen Bohnen.  

 

 

Das erste Übungslokal war die frühere Gastwirtschaft Vollmer. Dann wechselte man in die Volksschule. Die Chorproben fanden Sonntagsnachmittags statt – sehr zum Leidwesen der Frauen, die lieber mit Ehemann und Kindern spazieren gegangen wären. Die Proben dauerten etwa eine Stunde – bei manchen Sängern auch etwas länger. 1899 verlegte man die Übungsstätte in den Gasthof Mütherig, dem späteren Gasthof „Alt Velmede“ und heutigen Gaststätte „HIGHWAY MAN“. Von 1959 bis 1969 wurden die Chorproben im Speiseraum der Schützenhalle abgehalten. Seit 1969 probt der Chor in der Pausenhalle bzw. dem Musikraum  

der St.-Andreas-Grundschule Velmede.

 

 

In den Gründerjahren wurden die Chorproben regelmäßig von etwa 30 Sängern besucht, die sich nicht nur aus Velmede, sondern auch aus den umliegenden Ortschaften Ostwig, Eversberg, Blüggelscheidt, Halbeswig und Mosebolle einfanden.  

 

 

Unter dem ersten Dirigenten, dem Lehrer Johannes Meschede aus Velmede (1864-1898), nahm der MGV schnell einen beachtlichen Aufschwung.

Überhaupt sind die Namen der Dirigenten untrennbar mit der Geschichte des MGV und seinen erbrachten Leistungen verbunden. Nach Ausscheiden des Lehrers Meschede folgten elf weitere Dirigenten, bis die Chorleitung Anfang  

1990 von unserem jetzigen Chorleiter Detlef Müller übernommen wurde.  

Unter seiner Leitung konnte der MGV an mehreren Leistungssingen teilnehmen.  

Den bisher größten Erfolg erzielte der Chor mit dem Titel "Meisterchor im ChorVerband Nordrhein-Westfalen 2011". 

 

Bereits 1865 trat der Verein dem Sauerländischen Sängerbund bei und beteiligte sich an verschiedenen Bundessängerfesten. Mancher Erfolg konnte unter der zielstrebigen Leitung des jeweiligen Dirigenten errungen werden. In diese Zeit fällt auch der höchste Mitgliederstand mit 276 aktiven und fördernden Sängern.

 

Seit der Gründung standen 13 Vorsitzende dem Männergesangverein vor. 

 

 

Unabdingbares Requisit eines Vereins ist die Vereinsfahne.  

Laut den Aufzeichnungen wurde die erste Vereinsfahne 1868 angeschafft. Diese Fahne ist  

zwar noch vorhanden, aber sehr stark beschädigt.  

Bereits zum 40-jährigen Gründungsfest im Jahre 1904 wurde die zweite Vereinsfahne angeschafft,

die heute noch bei verschiedenen Anlässen getragen wird.  

Auf einer Seite wird eine Lyra und der Vereinsname dargestellt und auf der anderen ist der Spruch: „Rein wie Gold, fest wie Erz,

sei des deutschen Sängers Herz“ aufgezeichnet.

Diese Vereinsfahne wurde im Jahr 1992 restauriert, wobei die Schrift und die Symbole unverändert übernommen wurden.  

 

 

Ein großer Teil der Vereinsmitglieder nahm an den Weltkriegen teil und viele wurden deren Opfer. Gerade in Kriegszeiten galt es, den Verein durch vermehrte Anstrengungen vor dem Untergang zu retten. Im Zweiten Weltkrieg, als Chorleiter Schmitt zu den Soldaten eingezogen wurde, übernahm Hauptlehrer Gilberg den Taktstock und führte mit dem noch verbliebenen Rest der Sänger bis zum Kriegsende trotz häufigen Bombenalarms Chorproben durch, wenn auch zuletzt nur noch das Singen einstimmiger Lieder möglich war. Der MGV Velmede dürfte im ganzen Kreisgebiet wohl der einzige Verein sein, der seine Tätigkeit ohne Unterbrechung auch in den Kriegsjahren fortgesetzt hat.

 

Im  Jahre 1889 feierte der Verein sein 25-jähriges Jubelfest in der damals neu erbauten Schützenhalle. Auch alle darauffolgenden Jubiläen – bis auf das 70.

im Jahre 1934, das aus finanziellen Gründen abgesagt werden musste – sind feierlich und unter großer Anteilnahme der Nachbarvereine und der Bevölkerung begangen worden. Zum Teil wurden Festzüge organisiert, die vom MGV gestaltet wurden mit prächtig geschmückten Wagen rund um die Liedthemen.

 

Zu den Feiern des 100-jährigen und 125-jährigen Jubiläum übernahm Kardinal  

Dr. Franz Hengsbach, der Bischof von Essen und Ehrenbürger von Velmede, die Schirmherrschaft.  

Die Ausrichtung dieser Jubiläumsfeierlichkeiten stellte natürlich die Ausnahme dar.  

Die Regel war die Vorbereitung auf Konzerte, Veranstaltungen des Deutschen Sängerbundes  

und Freundschaftssingen.  

 

 

Aber nicht nur durch gesangliche Darbietungen hat sich der MGV am kulturellen Leben der Gemeinde beteiligt.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg führte eine Theatergruppe des Vereins

mit großem Erfolg Theaterstücke auf, die in dieser Zeit eine große Resonanz  

in der Bevölkerung fanden. Dieses schauspielerische Talent ist scheinbar auf  

die jüngeren Sänger des MGV vererbt worden, die auch heute noch beim MGV-Karneval großes Theater machen.  

 

 

 

Über den eigentlichen Zweck des Vereins hinaus hat sich der MGV auch stets innerhalb der Gemeinde engagiert und den mit dem Gemeinschaftsleben verbundenen Anforderungen und Aufgaben gestellt, sei es durch Spenden,  

wie etwa 1893 für die Beschaffung zweier Fenster in der Dreifaltigkeitskapelle oder für die Anschaffung einer Kirchenglocke im Jahre 1924. Des weiteren brachte und bringt er sich bei der Mitgestaltung verschiedener Feiern der örtlichen Vereine oder bei der Ausrichtung der Gedenkfeiern zum Volkstrauertag ein. Vereinsinterne Feiern wie beispielsweise die Nikolaus- und Karnevalsfeiern sorgen dafür, dass das „Wir-Gefühl“ stets aufgefrischt und verstärkt wird.

 

Vor allem das traditionelle Kartoffelbraten, das seit 1966 auf dem mit viel Hingabe gepflegten Knükelplatz stattfindet, ist ebenso ein fester Bestandteil

im jährlichen Veranstaltungsreigen des MGV wie die Ausflugsfahrten.  

 

 

Anfang der 1990er Jahre wurde eine freundschaftliche Beziehung zu dem Männerchor „Côr Meibion Powys“ aus Machynlleth, Wales (GB), aufgebaut.  

1994 und 1996 fanden gegenseitige Besuche statt, um dadurch zur europäischen Völkerverständigung beizutragen. Diese bereits intensive Verbindung hatte leider keinen weiteren Bestand, da sich der walisische Chor sich um die Jahrtausendwende auflöste.

 

 

Im Jahr 1994 wurde von den jüngeren Sängern des MGV das MGVchen ins  

Leben gerufen. Auf dem Programm des MGVchens stehen Gospels, Pop-Songs und Titel aus den aktuellen Charts. Als erstes Lied erarbeitete das MGVchen „Männer“ von den Bläck Föös, das bis heute zu den am häufigsten gewünschten Vorträgen gehört.

 

Als eine weitere Chorgruppe im MGV hat sich seit dem 1. Februar 2014  

der Frauenchor „feinCHORd“ etabliert. Der Chor möchte vorwiegend modernes Liedgut zu Gehör bringen und gilt als weitere Stütze unseres Vereins.

 

 

In den letzten zehn Jahren hat der MGV an verschiedenen Wertungs- und Leistungssingen des ChorVerbandes Nordrhein-Westfalen (CV NRW) teilgenommen. Einmalig in der Vereinsgeschichte war jedoch die Teilnahme

des Chores am Leistungssingen der Klasse A des CV NRW im Jahre 2011.

Der MGV erhielt die höchste Auszeichnung, die der CV NRW zu vergeben hat: „Meisterchor im ChorVerband Nordrhein-Westfalen 2011“. Diesen Titel darf der MGV nun fünf Jahre lang führen.

 

 

Heute zählt der Verein insgesamt 251 Mitglieder, das Durchschnittsalter der Sänger beträgt 48 Jahre. Die Altersspanne der Sänger reicht von 18 bis 78 Jahren. Zu den wöchentlichen Chorproben kommen rund 35 Sänger nicht nur

aus Velmede, sondern auch aus umliegenden Ortschaften.

 

Der Männergesangverein 1864 Velmede ist ein traditionsreicher Männerchor

im Sauerland, der vom Wandel der Zeit geprägt wird, der aber das Alte mit dem Neuen verbindet und offen ist für den Geist der Zeit. Zu seinen Zielen gehört es, bewährtes Liedgut zu erhalten und gleichzeitig neue Impulse durch moderne Sätze zu geben. 

 

Dass sich immer wieder Sänger in diesem Geiste zusammenfinden,

darauf bauen die Mitglieder des MGV 1864 Velmede e.V. für die Zukunft.